Umut Yasat: 24/11

Fr. 17. Januar 2020, 18:00 Uhr
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Sa. 07. März 2020, 18:00 Uhr
GNYP, Berlin

Infos

GNYP Gallery freut sich, die Ausstellung 'Umut Yasat: 24/11' am Freitag, den 17. Januar 2020, von 18 -21 Uhr zu eröffnen. Die Ausstellung ist bis zum 07. März 2020 zu sehen.

 

Sich kontemplativ in die Arbeit von Umut Yasat zu versenken, bedeutet, sich kontemplativ in ein Paradoxon zu versenken, oder vielmehr in viele verschiedene. Obwohl uns von Anfang an mancherlei Strukturen in dieser Ausstellung begegnen - der allerersten Einzelausstellung des Künstlers - sind sie alle Teil eines einzigen und einzigartigen Schaffens: 'Der Stapel' (immer im Singular), jeder für sich und mit einer eigenen Nummer betitelt. 'Der Stapel', ein fortschreitendes und beständiges Projekt, das Yasat (geb. 1988) im Jahr 2014 initiierte und welches er bis zu seinem Lebensende fortzuführen sucht, wird, wie der Künstler es ausdrückt, durch das geformt, was das Leben ihm gibt - ob nun von Objekten mit persönlichem Wert oder vollkommen zufälligen Überbleibseln. Was er anstrebt, wenn er diese bündelt, ist die Erkundung ihres inneren Charakters durch eine radikale Umwandlung ihrer inneren Bedeutung, mehr noch: Einen Zugang zu ihrer inneren Schönheit zu erlangen - den Weg zur Ewigkeit durch das, was höchst vergänglich ist. Zeit ist nicht nur das, was wir brauchen, um die einzelnen Details in 'Der Stapel' richtig aufzunehmen. Zeit ist das, was sie bestimmt.

 Doch der äußere Anschein kann täuschen. Diese merkwürdige Assemblage von Materialien, verstreuten Teilen des täglichen Lebens wie Plastikobjekten, Möbelstücken, Pappe, Zeichnungen, Karten, Rädern, Papierblättern aus der Post und mit Auszügen aus den E-Mails des Künstlers, alten elektronischen Geräten, und vielem, vielem mehr - obgleich scheinbar inkongruent, werden diese hektischen Strukturen in Wirklichkeit von der soliden Idee getragen, die den ersten Eindruck der Betrachtung trügt. Im Zentrum des Chaos, geformt durch das Kollidieren der Materialien, wird man einer wohldurchdachten Komposition gewahr; etwas, dass durch einen Künstler geschaffen wurde, der sehr ernsthaft zu seinen Überzeugungen und ästhetischen Prinzipien steht. In Umut Yasats Schaffen verrät die anarchische Oberfläche ein solides Prinzip. Durch die eigene Körpergröße des Künstlers begrenzt und durch eine Reihe von Überlegungen durchdacht, um sie mobil zu gestalten - die Basis in die Struktur zu integrieren, sie dem Rest anzupassen und damit eine Tradition fortzusetzen, die von Brâncuși vor fast einem Jahrhundert begründet wurde - erinnert die Akribie der Konstruktion von 'Der Stapel' mit seiner klaren Balance an den Vers von Stefan George: „Höchste Strenge ist zugleich höchste Freiheit“.

Für einen Künstler wie Yasat, der an Paradoxien gewöhnt ist; für jemanden, der weiß, dass Kunst, als Leben, voller Mehrdeutigkeiten und scharfer Kanten ist, ist nichts natürlicher als einen Maler - und keinen Bildhauer - als Vorbild zu haben. Roman Opałka (1931-2011) inspirierte Yasat mit seiner Serie '1965/1-∞', in welcher der polnisch-französische Künstler das Kontinuum der Zeit visualisieren wollte, indem er auf der Leinwand zählte und die Zahlen von eins bis unendlich aufschrieb, sein ganzes Leben lang. Als ein Projekt, das zwangsläufig zum Scheitern verurteilt war, bewies es dennoch, dass es bei allem, was unvollkommen oder chaotisch, unsinnig und manchmal brutal ist, im Leben um den Prozess geht, nicht um das Endergebnis - und die Kunst fühlt sich mächtiger an, wenn sie dies anerkennt, wenn sie danach strebt, das zu organisieren, was nicht organisiert werden kann, wie Yasats 'Der Stapel'. Noch einmal: Für einen Künstler, der an Paradoxien gewöhnt ist, würde es wahrscheinlich nicht falsch klingen, diese seltsamen Strukturen Selbstporträts zu nennen. Von Umut Yasat und unserer Zeit.

J.G. Rizek

 

Umut Yasat (geb. 1988) lebt und arbeitet in Karlsruhe, Deutschland. Zwischen 2009 und 2015 studierte er an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe, zusammen mit Gustav Kluge, Jonas Burgert and Marcel van Eeden. Seit 2014 arbeitet er an 'Der Stapel'. Zunächst umfasste dieser Prozess das Verbinden aller bisherigen Werke des Künstlers und entwickelte sich dann zu einer Agglomeration, nicht nur von Kunstwerken, sondern auch von verschiedenen Alltagsgegenständen - bedeutungsvoll und trivial. Yasat arbeitet an diesen Skulpturen, bis sie seine eigene Höhe erreicht haben. Für ihn stellen sie einen Weg dar, Zeit zu visualisieren.

GNYP
Knesebeckstrasse, 96 - 10623 Berlin -
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