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Sido

Sänger

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Über Sido

Konnten Tugendwächter sein Debüt noch als Unterschichten-Rap abtun und dem Nachfolger mit fortgesetzter Ignoranz begegnen, kommen sie spätestens jetzt nicht mehr umhin, das deutlichste Talent des Berliners anzuerkennen. SIDO ist einer der großen Geschichtenerzähler unserer Zeit. Und mit “Ich & meine Maske” hat er sein Storytelling zu einer Perfektion getrieben, die in Deutschland ihresgleichen sucht. SIDO braucht nur wenige Sätze, um seine Hörer auf eine extrem weite Reise zu schicken. Zwar bestimmen Reizwörter und Reizthemen nach wie vor einen Teil seiner Kunst, aber mehr als alles andere sind es seine präzisen Geschichten, für die er von Abertausenden geliebt wird. Wenn die Fans seine Songs als “Kino für den Kopf” loben, verweist das unmissverständlich auf die von Action-Filmen geschulte Dramaturgie seiner Stories und auf Hörbilder im Breitwandformat.

Wie jeder gute Blockbuster, wird auch “Ich & meine Maske” von einer starken Grundidee beseelt. Für sein drittes Album ist SIDO hinabgestiegen, in den Keller, wo Fliegen und Pilze die Luft verpesten. Dort, wo die tote Seele eines ostdeutschen Sweat-Shops die Geister der Vergangenheit gefangen hält. Sein drittes Album sollte von den Umständen profitieren. “Ich wollte das diesmal wieder mit mehr Ghetto haben.” So bringt es SIDO mit einem seiner Schlüsselwörter auf den Punkt. “Mir war der dreckige Keller wichtig für die Texte und die Attitüde, die das ganze Album kriegen sollte, für den roten Faden. Ich brauchte das, es sollte ein bisschen dirty sein, damit auch der Sound wieder etwas frecher wird.”

SIDO hat den Dreck benutzt, um sich weiter zu befreien. Wurden die ersten rumpelnden Beats noch in einer zugemüllten 1-Zimmer-Wohnung auf einer alten Playstation programmiert, ging es für die Produktion des noch erfolgreicheren zweiten Albums nach Ibiza. Der Schritt, jetzt in einem Umfeld wie der Leipziger Spinnerei zu arbeiten, war also eine bewusste Entscheidung gegen den Glamour, gegen Bling-Bling und für die Realität. Von “Back to the Roots” kann dennoch nicht die Rede sein, denn von seinen Roots im Märkischen Viertel hat sich SIDO nie entfernt. Vielmehr besann er sich im Keller auf alte Stärken, um sie mit neuen Skills zu paaren: “Mein zweites Album war sehr persönlich, mitunter auch schwere Kost, aber es war ein schönes, sauberes, sehr cleanes, steriles Album - und das sollte es diesmal nicht werden. Das Ergebnis ist eine gute Mischung aus den beiden vorhergegangenen Alben: Die persönlichen Themen vom Zweiten, und die dreckigen vom Ersten - ausserdem ist es so gut gerappt wie das zweite, vielleicht sogar noch etwas besser - das Erste war, was die Raps betrifft scheisse.”


Es gibt wohl nur wenige Künstler, die ähnlich schonungslos mit sich ins Gericht gehen, vor allem wenn sie mit der “Scheisse” Preis um Preis gewonnen und mit dem “sterilen” Nachfolger ihre eigenen Verkaufsrekorde gebrochen haben. Doch harte Selbstkritik ist für SIDO eine Selbstverständlichkeit. “Ich maße mir nichts an, ich verspreche nichts, was ich nicht halten kann und ich würde nicht erzählen, dass ich noch immer im Ghetto wohne und mein Leben so scheiße ist.” resümiert SIDO und betont die gelebte Gradlinigkeit seiner Raps. “Du hörst in meiner Musik eine Entwicklung, dass ich weitergekommen bin und den ganzen Kram. Aber genau das ist es, was mir die Jungs und Mädels, die auch aus so einer Gegend kommen, hoch anrechnen. Die wissen, da hat es einer geschafft, und die gönnen mir das auch. Gerade weil “Keep It Real” bei mir so groß geschrieben wird. Dass ich aus so einer Gegend wie dem Märkischen Viertel komme, bedeutet auch, dass ich zu schätzen weiss, was ich jetzt habe.”

Mit “Ich & meine Maske” beendet er eine Trilogie. “Das ist eine Einheit weil es mit “Maske” bei null anfing; ich war ein niemand, hatte kein Job, noch nicht mal eine Krankenversicherung. Beim zweiten Album ging es schon besser aber ich war mitten im Stress und konnte das alles noch gar nicht so richtig realisieren. Mit dem dritten Album bin ich jetzt wer - ich bin jetzt SIDO, egal was ihr sagt. Das soll die Trilogie, der Abschluss bedeuten: Ich bin jetzt da. Daran kann auch keiner mehr rütteln, die Wurzeln sind fest.”

Eigentlich, relativiert er schließlich, sei auch für ihn der Weg das Ziel; er ist zwar angekommen aber er wird noch immer nicht richtig akzeptiert. Als eine, für jeden sichtbare, alles überragende Ausnahmeerscheinung zieht er jeden Ärger über den Zustand einer vermeintlich verrohten Jugend auf sich. Im nächsten Moment hingegen scheint ihm das auch wieder herzlich wenig auszumachen. “Ach, damit lebe ich,” amüsiert er sich. “Ich weiss, ich bin gebrandmarkt, ich bin der Jesus der deutschen HipHop-Szene, der für alle Sünde gerade stehen muss. Aber ich werde einen Teufel tun und mich darüber beschweren, dass ich als der Bösewicht dastehe. Ich werde nicht enden wie Roy Black, der Schlager gemacht hat und eigentlich im Herzen Rock’n’Roller war - ich mach schon das, was ich machen will.”

Ob SIDO will oder nicht, als Ende der Trilogie weist “Ich & meine Maske” den Weg in eine Zukunft jenseits der Ghettos, Skandale und Boulevard. Erst wenn er dort angekommen ist, wird auch der Letzte merken, dass SIDO nicht weniger leistet, als im besten Sinne des Wortes lebendige Geschichte zu schreiben.

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