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Steffen Baumann im Interview
So. 05.04.
Sabrina: Tja, zwar ist mein Dad in Kirchhausen aufgewachsen, aber ich hatte da keinen Bezug und war vorher vielleicht dreimal im Leben da. Tatsächlich war’s eine ziemlich denkwürdige Nacht im Bukowski, muss so 2004 oder 2005 gewesen sein. Heiko hatte zu Halloween diese Riesenfete im Weipertzentrum veranstaltet, wo ich wegen der Gigs von Moguai & Phil Fuldner hingefahren bin. Im Anschluss hat er uns dann verschleppt… Ich fand es von außen völlig strange und drinnen dann richtig cool und hab den Abend nie vergessen. Irgendwann später war ich noch mal dort mit Phil & Heiko, und noch später, als ich dann Steffens Booking übernommen habe, habe ich gezielt den Kontakt zu Thilo gesucht, weil ich wusste, dass der Laden und das aufgeschlossene Publikum super zu Steffens Sound passen würde...
SD: Neben seinen zwei Gigs im Creme 21 war es ja auch vor allem das Bukowski, das Steffen in Heilbronn häufig angesteuert hat. Und Gerüchten zufolge soll es gar nicht mehr so lang hin sein, bis er uns wieder hier beehrt. Wann dürfen wir uns denn wieder auf ihn freuen?
Sabrina: Und an Gerüchten ist ja meist was dran! 18. April ist gesetzt, und auch für den Rest des Jahres waren Thilo und wir uns einig: Das wollen wir ab sofort häufiger...!
SD: So Steffen, nun zu Dir. Mittlerweile kennst Du ja schon einige Ecken in unserem Nightlife. Welche Orte in unserer Käthchenstadt sind Dir denn besonders – positiv wie negativ – in Erinnerung geblieben?
Steffen: Negative gibt es im Grunde gar keine. Das Einzige was ich hier nennen könnte, wäre die Tatsache, dass mein Hip Island-Termin letztes Jahr dem Regen zum Opfer gefallen ist, was aber überall passieren kann. Ansonsten muss ich ganz klar sagen, dass mich Heilbronn schon sehr positiv überrascht hat.
Ich fühle mich im Bukowski jedes Mal super wohl und auch der HNX Allstars-Abend im Creme 21, an dem ich mitspielen durfte, obwohl ich ja nicht wirklich Heilbronner bin, ist mir noch sehr deutlich in Erinnerung! Und auch das eingangs schon erwähnte Hip Island, das ich bisher ja witterungsbedingt nur als Gast kennen lernen konnte, hat mich als Location beeindruckt! Was Ihr da habt in der Summe ist wirklich alles andere als provinziell...!
SD: Gehen wir mal zurück in Deine Kindheit. Denn sie war, wie ich weiß, elementar für Deinen Bezug zur Musik. Was ist denn so ziemlich die erste Erinnerung, die Du an Deine musikalischen Anfänge hast? Ein Instrument? Ein Lied? Ein Künstler?
Steffen: An einzelnen Titeln kann ich das gar nicht so genau festmachen. Ich war schon als Kind sehr flexibel was Musik angeht. Die erste Platte meines Vaters, die mich gekickt hat, war "Die Mensch-Maschine" von Kraftwerk und die erste eigene Vinyl, die ich gekauft habe war "Highway to Hell" von AC/DC – das sagt sicher einiges über meine Flexibilität aus! (grinst)
Was Instrumente angeht, habe ich im Alter von fünf Jahren mit der klassischen Gitarre begonnen und bin mit ca. zehn Jahren zum Schlagzeug gewechselt...von da an habe ich dann in verschiedenen Hardrock-Bands getrommelt oder eben Klampfe gespielt...auch hier wieder sehr flexibel!
SD: Was war denn der ausschlaggebende Punkt, der Dich dann in den elektronischen Sektor getrieben hat?
Steffen: Das hing sicher mit der Tatsache zusammen, dass ich Mitte der 80er als Pimpf in der glücklichen Lage war, einen "großen Bruder" (eigentlich einen älteren, nicht blutsverwandten Freund) zu haben, mit dem mich meine Eltern losziehen ließen. In Mannheim gab es zu dem Zeitpunkt einen Laden namens "Hardrock". Dort war der Name aber nicht Programm, sondern es lief elektronische Musik...damals waren das Acts wie Front 242, DAF, Simple Minds, Depeche Mode, etc...das hat mich, denke ich, sehr geprägt.
SD: Wie haben sich Deine Eltern während dieses Wandels verhalten? Waren sie überzeugt von Deinem Talent und haben es unterstützt, oder haben sie eher „klassische“ Ziele für Deine Zukunft verfolgt?
Steffen: Ich denke, die Beiden haben sich da verhalten wie alle Eltern, deren Sohnemann in der Schule sitzen bleibt, weil er sich zu sehr seinen Bandprojekten widmet. Aus heutiger Sicht sind sie stolz auf das, was ich bisher erreicht habe...aus damaliger Sicht war es nicht nur für mich nicht immer witzig!
SD: Dein Stil heute zieht sich durch eine Vielzahl von elektronischen Musikformen. Als Laie fällt einem dazu nur „ultrasphärisch“ ein. Wie würdest Du Dein Repertoire beschreiben und was steht besonders im Vordergrund?
Steffen: "Ultrasphärisch" hab ich über meine Musik ja noch nie gehört – interessant! (grinst)
Für mich ist es wichtig, dass ein Titel ordentlich groovt. Ob die Nummer dann aus dem Bereich Techhouse, Deep House oder aus der minimaleren Richtung stammt, ist nicht relevant.
SD: Unzählige Top DJs standen mit Dir bereits hinter den Turntables. Wer ist Dir sowohl charakterlich als auch vom musikalischen Talent her am meisten in Erinnerung geblieben?
Steffen: Puh, da gibt es einige, das stimmt...aber einen hier herauszudeuten fällt mir sehr schwer. Was ich allerdings im Laufe der Jahre gelernt habe, ist, dass auch die „Grossen“ nur mit Wasser kochen und auch ein Weltstar mal neben Dir stehen kann, um Dich nach der aktuell laufenden Scheibe zu fragen.
Ich persönlich habe einfach Respekt vor DJs, die eine außergewöhnliche Trackauswahl haben und es verstehen, mit dem Publikum zu spielen oder eben vor solchen, die technisch sehr versiert sind...ob es sich hierbei dann um einen Local oder einen "Star-DJ" handelt, ist mir egal.
Und um all den jungen Wilden, die bislang nur zuhause im Keller spielen konnten, jetzt mal ein wenig Mut zu machen: Auch bei den so genannten Headlinern gibt es nicht gerade wenige, die oft daneben greifen, und mehr Flugmeilen garantieren nicht zwangsweise mehr Skillz!
SD: Du hast Dir vor einer Weile Dein eigenes Tonstudio eingerichtet und Dir damit einen Traum erfüllt. Wie viel Zeit verbringst Du schätzungsweise darin und tobst Dich aus?
Steffen: Das hängt ganz von meinem anderen Job als Marketingleiter eines Existenzgründerzentrums für die Musikbranche ab. Zwei Abende die Woche sind es aber mindestens...und wenn ein Track mal aufgrund Termindrucks unbedingt fertig werden muss, kann es auch deutlich mehr sein.
SD: Da Du bereits fleißig Compilations und eigene Tracks veröffentlicht hast, würde mich sehr interessieren, ob Du bereits an Deinem nächsten Projekt arbeitest, beziehungsweise schon erste Pläne hast.
Steffen: Ich habe seit zwei Jahren das Glück, für das Unternehmen SIXTY, zu dem die Modemarken MISS SIXTY und ENERGIE gehören, das Store-Radio für alle deutschen, österreichischen und schweizerischen Flagship-Stores machen zu dürfen, das dort an allen Öffnungstagen rund um die Uhr läuft. Außerdem mache ich jeden Sonntag von 18:00 – 20:00 Uhr auf sunshine live „Sixty Radio“ als Live-Sendung. Zu dieser Sendung gab es auch bereits zwei Mix-Compilations. Hier wird es in den nächsten Monaten einige Änderungen geben, die sicher auch im Bereich Veröffentlichungen Neuerungen mit sich bringen...wait and hear! ;-)
Parallel habe ich meine eigenen Titel auf verschiedenen Labels veröffentlicht. Besonders gefreut hat mich, dass ich zwei Titel auf Session Deluxe bei Martin Eyerer releasen konnte, der in Heilbronn ja auch bestens bekannt ist!
SD: Nachdem Du auch schon vier Jahre lang auf der Time Warp spielst, musst Du mir erklären, inwiefern sich ein Auftritt vor gut 5.000 Menschen von einer eher familiären Nacht, wie beispielsweise im Bukowski, unterscheidet und ob Du je nach Menschenmenge verschieden auflegst?
Steffen: Nun, im Buko hast du einfach einen wahnsinnig engen Kontakt zu den Leuten auf dem Floor...Du spürst da förmlich, wenn der Funke überspringt und die Leute auf Deiner Welle mitreiten. Auf der Time Warp sind es einfach die Größe und die brachiale Anlage, die Dich als DJ kicken...also mir geht es zumindest so, weil ich das ja auch nicht alle Tage habe.
Ich hatte dieses Jahr (am 4. April) das Glück, auf einem der beiden ganz großen Floors zu spielen, auf dem schon alleine das Monitoring fetter ist, als so manche Club-Anlage...das ist schon sehr beeindruckend! Und wenn du dann auf einem solchen Floor einen eigenen Titel spielst, den die Leute feiern, ist das mit kaum etwas Anderem zu vergleichen! Nichtsdestotrotz freuen wir uns beide jedes Mal auf die familiäre Atmosphäre im Buko!
SD: Zum Abschluss hätte ich noch eine eher traditionelle Frage an Dich: Was sind denn Deine weiteren Pläne für Deine Karriere und wie sieht es privat aus?
Steffen: Kurz gesagt: Blinker links und Attacke! Bin ja auch nimmer der Jüngste... (grinst)
Aber Spaß beiseite: Ich möchte einfach weiterhin meine eigenen Titel veröffentlichen und mich musikalisch verwirklichen...und das ist eben umso schöner, wenn es Leute gibt, die das mögen, was Du tust!
SD: Ich danke Euch beiden vielmals für das Interview. Ich freue mich, Euch am 18. April im Bukowski wieder zu treffen und wünsche weiterhin viel Erfolg und vor allem Spaß bei der Arbeit.
Sabrina & Steffen: Dir auch ein dickes Dankeschön für die Zeit und bis spätestens im Buko!
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