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Heilbronner Nachtleben
Sa. 30.01.
Vorglühen im Barococo, Reinschnuppern in die Neckarlust und Eintauchen ins Green Door. So ungefähr sah meine heere Abendplanung aus, die ich mir vorgenommen hatte, ehe ich noch rasch einen Blick auf den abendlichen Himmel warf, der ausnahmsweise nicht mit Schneeflocken verhangen war. Es schien diesbezüglich ein ruhiger Abend zu werden, dachte ich - zumindest wettertechnisch, was mir gerade recht war, da ich bereits die ganze Woche über Schnee geschippt hatte und nun wahrlich keine große Lust darauf hatte, meine Wochenendeplanung davon abhängig zu machen, ob nun 10 oder gar 20 Zentimeter Schnee fallen würden. Wie sich später herausstellen sollte, würde es weder zu den prognostizierten 10 noch zu den befürchteten 20 Zentimetern kommen; feucht sollte es dennoch werden, zumindest was meine Kehle angeht, die ich zunächst im BAROCOCO auf Vordermann bringen wollte, da dort wie jeden Freitag LADIES NIGHT angesagt war. Naja, wie eine Lady sehe ich wahrlich nicht aus, gebe ich zu, muss aber auch eingestehen, dass ich mich dann und wann gerne ins Barococo hinein schleiche, um eben solche zu sehen, denn nirgendwo ist die Frauendichte so hoch wie in dem netten Kellerclub in der Heilbronner Querschulgasse und nirgendwo wird wohl deshalb auch mehr Prosecco getrunken.
Der Club fing langsam an sich zu füllen, während ich versuchte mich möglichst unbemerkt durch die Frauenreihen zu drücken, während mir dichte Parfumwolken entgegenschwappten. Zaghaft drehte ich meine Hüften im Takt, was manch weibliches Wesen aufforderte, mir amouröse Blicke zuzuwerfen. Genau genommen glaube ich nicht, dass ich gut tanzen kann - ich wackele eher hin und her wie ein führerloses Schiff im tosenden Orkan - mache aber manchmal mit lasziven Armbewegungen, die ich in dem Film "Unser Affe Charlie" gesehen habe, auf mich aufmerksam. Allerdings verzichtete ich diesmal darauf, da ich mit einem Auge ständig an der Bar hing, wo mein halbvoller Caipirinha stand und verdunstete. Vielleicht wäre ich noch etwas länger geblieben, wenn mich nicht die Lust zur Lust gepackt hätte sozusagen - nächster Abstecher NECKARLUST!
Irgendwie passte das Motto hier zur Abendplanung : "TITTEN, TECHNO UND TROMPETEN"! Es hat Vorteile, wenn ein Club bis zum Bersten gefüllt ist. Man muss sich nirgends festklammern und irgendwo kriegt man immer was zum trinken her. Nur fiel es schwer, seine Musikwünsche den Dj's entgegenzubringen, weil diese unerreichbar weit entfernt - etwa 2 breite Schultern und 24 Schienbeine - standen, sodass man 10 Meilen gegen den Wind rufen musste. Nachdem ich kurze Zeit später aussah, als hätte ich an einem Wet-T-Shirt-Contest mitgemacht, entschloss ich mich, zum Schluss das GREEN DOOR anzulaufen.
THANK GOD, IT'S FRIDAY! Als ich ankam, lief gerade Atzenmusik - also wird es kurz vor 2 gewesen sein. Während der ganze Club hüpfte und johlte, nutzte ich die Gelegenheit, mich an der Bar in Stimmung zu bringen. Ich erinnerte mich an "Unser Affe Charlie" und hätte auch fast losgelegt, die Arme über die Schultern zu werfen und die Tanzbeine zu schwingen, wenn mir nicht von all dem Rohrzucker aus den Caipis ziemlich übel geworden wäre und ich mich in den Garten begab, wo ich eigentlich vorhatte, hinter einen Busch zu brechen. Die aufmerksamen Türsteher hielten mich jdoch davon ab und zeigten mir einen besseren Platz - den Parkplatz eines Nachbarhauses.
Irgendwann wachte ich in meinem Bett auf und hielt die Schneeschaufel umklammert. Draussen hatte es geschneit. Immerhin musste ich nicht Schneeschippen. Das hatte ich beim Nachhausekriechen bereits erledigt.
Dr. Stefano Franko / Der promovierte Nightlifetester
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