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Filmreview : "Bushido - Zeiten ändern Dich", "Up in the Air" und der besondere DVD-Tipp

Mi. 10.02.

Lust
auf Kino oder einen besonderen Film? Hier stellen wir jeden Woche zwei
neue Kinofilme vor und dazu einen besonderen DVD-Tipp.

UP IN THE AIR (ab 04.02. in den Kinos)

USA, 2009     Regie : Jason Reitman     Darsteller : George Clooney, Vera Farmiga, Anna Kendrick...

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen 322 von 365 Tagen im Jahr in einem Flugzeug und fliegen von A nach B. Würde Sie das langweilen? Nein? Dann haben Sie etwas gemeinsam mit Ryan Bingham (George Clooney). Denn Ryan ist eines jener seltenen Exemplare, das gerne in einem Flugzeug sitzt und auch gerne jenseits der heimischen Wände schläft. Nun, das liegt in erster Linie daran, dass Ryan kein sonderlich gemütliches Zuhause hat; die Möbelisierung ist recht spartanisch gehalten und ausser einer scheuen Nachbarin, die ab und zu nach Ryan sieht, gibt es nichts, was ihn unbedingt Zuhause halten könnte. Ryan liebt nun mal seinen Job! Für eine Firma aus Omaha, Nebraska feuert er amerikaweit Leute aus ihren Arbeitsverhältnissen. Er ist der beste seines Faches; gibt gar Seminare über Standfestigkeit, die sich einer großen Beliebtheit erfreuen. Nur eine richtige Beziehung möchte Ryan nicht eingehen. Dazu fehlt im die Zeit. Als er in der Geschäftsfrau Alex (Vera Farmiga) eine scheinbare Seelenverwandte trifft, gerät seine Welt ins Wanken. Obwohl sie sich nur gelegentlich verabreden - und dann auch nur in anonymen Flughafenhotels - beginnt sich in Ryan etwas zu ändern. Doch auch in seinem Job stehen Veränderungen an. Plötzlich sieht sich Ryan mit der Idee der jungen, motivierten Natalie (Anna Kendrick) konfrontiert, die das Jobfeld von Ryan einschneidend verändern möchte. Die Arbeit von Ryan könnte demnach in Zukunft via Internet gelöst werden und würden somit die unzähligen Reisen überflüssig machen.

Gleich für 5 Oscars wurde die Komödie mit sozialkritischem Hintergrund des Regisseurs Jason Reitman ("Juno") im Vorfeld nominiert. Und schon kurz nach dem Vorspann wird klar, weshalb die Jury diesen Film als einen der Favoriten der diesjährigen Oscarverleihung am 07. März in Hollywood sieht. "Up in the Air" ist kein vorhersehbarer Schmachtfetzen, in welcher der Antiheld - und genau solch einer ist George Clooney in diesem Film - am Ende geläutert ist und glücklich und zufrieden in den Sonnenuntergang reitet, sondern ein Film mit besonderem Anspruch. Er hinterfragt die alltäglichen Gewohnheiten, hinterleuchtet die Lügen, denen wir uns selbst aussetzen weil wir sie selbst aussprechen und spiegelt unsere Ausgesetztheit wieder, der wir uns gegenübersehen, wenn das Kartenhaus, an welchem wir vielleicht unser ganzes Leben lang gebaut haben, plötzlich über uns zusammen bricht. Das mag womöglich traurig und dramatisch klingen, doch Jason Reitman schafft es, aus witzigen Dialogen, charmanten Darstellern (nicht zuletzt George Clonney) und genialen Wendungen einen absoluten Volltreffer zu landen. (FG)

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ZEITEN ÄNDERN DICH (ab 04.02. in den Kinos)

D, 2009     Regie : Uli Edel     Darsteller : Bushido, Moritz Bleibtreu, Hannelore Elsner...

Geld regiert die Welt! Das haben sich wohl Uli Edel (Regie) und Bernd Eichinger (Produzent) gedacht, als sie das Drehbuch von Bushido's Autobiografie verfassten. Vermutlich haben sie die unzähligen Klischees mit einem kleinen Achselzucken akzeptiert, wer weiß. Enttäuschend ist es allemal, dass zwei solch erfahrene und erfolgreiche Profis sich einer solchen Peinlichkeit wie "Zeiten ändern Dich" hingeben. Vorneweg gesagt : In 30 Jahren habe ich keinen schlechteren Film gesehen als das, was sich bei "Zeiten ändern Dich" 94 Minuten auf der Leinwand abspielte.

Bushido, mit bürgerlichem Namen Anis Mohamed Youssef Ferchichi, will uns hier allen Ernstes weismachen, dass es im Leben nur auf eines ankommt : Respekt. Um an den zu gelangen, prügelt, stiehlt und dealt er sich so durch's Leben; letzteres vorzugsweise mit Geld, dass ihm seine Mutter (Hannelore Elsner) leiht. Kein Witz! Natürlich sagt er ihr, wofür er das Geld braucht. Dennoch leiht sie es ihm. Na? Hat das nicht Respekt verdient? Und das ist nur eine von vielen Szenen, in denen man einfach nur lauthals lachen möchte, weil sie so unfreiwillig komisch sind wie ein Epileptiker im Porzelanladen. Frauen kommen selbstredend schlecht weg (bis auf die Mutter natürlich). Die meisten sind Schlampen oder drogenabhängig, meistens irgendwie beides zusammen. Nur Anis' erste große Liebe Selina (Karoline Schuch) bedeutet ihm etwas. Doch ihre ach so bösen, bösen Eltern - reich, hochnäsig und ... Achtung : mit eigenem Butler (das will dieser Film einem wirklich ernsthaft glaubhaft machen) - haben naturgemäß etwas dagegen. Um aber den reichen Pinkeln zu zeigen wo der Bartel sein Moscht holt wirft Anis mal eben zweihundert Mark auf den Küchentisch und verabschiedet sich von den Spießern. Krass, Respekt! Da hängt er doch lieber bei seinen Kumpels von Aggro Berlin (im Film aus rechtlichen Gründen "Hardcore" tituliert) ab, mit denen er noch mehr kifft und säuft. Richtig spannend ist das eigentlich nicht. Um daran etwas zu ändern und dem Film wenigstens annähernd etwas wie Tiefe zu geben schiebt der Film immer wieder Zwischenblenden ein, in denen Bushido eine Geburtstagskarte von seinem Vater in den Händen hält, der den kleinen Bushido samt Mutter einst sitzen ließ. Doch von einer Versöhnung mit ihm hält er (vorerst) nichts. Stattdessen sucht er lieber den berüchtigten Schläger Arafat (Moritz Bleibtreu) auf, der ihm helfen soll, aus einem Dilemma heraus zu kommen. Seine Plattenfirma lässt ihn nämlich nicht aus dem Vertrag heraus. Doch mit einem Schläger und einem Ninjaschwert bewaffnet lässt sich auch dieses Problem lösen. Respekt!

Die Aneinanderreihung von Klischees, Banalitäten und Peinlichkeiten nimmt in diesem Film kein Ende. Auf die Beweggründe, weshalb Bushido Musiker geworden ist, wird nicht wirklich eingegangen.  Man sieht keinen Bushido, der in seiner Musik Zuflucht findet, wenn sein Vater auf seine Mutter eindrischt. Man sieht keinen Bushido, der seines Talentes verkannt wird; weil erst gar nicht auf dieses Talent eingegangen wird. Stattdessen bedient sich die Handlung allen gängigen HipHop-Klischees, die es gibt und wirkt dabei so verlogen wie ein Bill Clinton Dementi. Jedem halbwegs intelligenten Menschen dürfte sofort klar werden, dass hier mit ganz billigen Mitteln versucht wird, dem Zuschauer ein Märchen zu verkaufen. Nämlich das Märchen vom Tellerwäscher, der es bis zum Millionär geschafft hat. Doch in einer Biografieverfilmung über einen Musiker sollte man stets darauf achten, dass der Zuschauer in erster Linie im Kinosessel sitzt, weil er etwas über die göttlichen Eingebungen des Genies erfahren möchte, mit dem er diesen Weg erst beschritten hat (siehe "Ray" oder "Amadeus"). Diese kommen in "Zeiten ändern Dich" überhaupt nicht vor. Vermutlich weil Bushido eben kein Musikgenie ist, als welches er gerne bezeichnet wird. Dann hätten die Filmemacher sich jedoch mit etwas mehr Enthusiasmus dem zwischenmenschlichen Stoff widmen können, die dieser Stoff wirklich zu bieten gehabt hätte, wie etwa der Versöhnung zwischen Vater und Sohn, die allerdings so plump und billig inszeniert ist, dass selbst die Augsburger Puppenkiste es mit mehr Tiefsinn hinbekommen hätte. Letztendlich scheitern alle filmischen Versuche an geradezu hanebüchenen Dialogen und einer unfreiwillig komischen Melodramatik. 

Der Film ist schlussendlich ein einziges Desaster! Am Ende merkt man schliesslich, um was es Bushido wirklich geht. Es geht ihm um Respekt, jedoch lediglich ihm gegenüber. Den wird er aber vermutlich nach diesem Film endgültig verloren haben. Fazit : Nur für Bushido-Fans und Leute, die sich gerne fremdschämen. (FG)

 

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EMPIRE präsentiert
den DVD-Tipp der Woche :

 


JACKIE BROWN (zu finden im Regal "leih+kauf")

USA, 1997     Regie : Quentin Tarantino     Darsteller : Samuel L. Jackson, Pam Grier, Robert de Niro, Bridget Fonda, Chris Tucker, Michael Keaton...

Jeder kennt ihn, den bekanntesten Begründer der Independentfilme - Quentin Tarantino. Und jeder kennt den Film, der ein ganzes Jahrzehnt die Independentindustrie prägte, "Pulp Fiction". Neben seinem zuvorigen Film „Reservoir Dogs“ sind jedem Cineasten ebenfalls die aktuelleren Kassenschlager "Grindhouse" und "Inglorious Basterds" bekannt.
Umso trauriger, dass Tarantino's dritte Gangsterinszenierung "Jacky Brown" nahezu einem Verkaufsflop glich, wenn man sie mit den anderen Filmen vergleicht. Denn „Jackie Brown“ lockte in Deutschland gerade einmal 900.000 Besucher in die Kinos, was im Verhältnis gerade einmal etwas über der Hälfte der „Pulp Fiction“-Zuschauer entspricht. So stellt man sich zurecht die Frage, wo die ganzen Leute beim Kinostart waren, wenn doch die Rezension des Vorgängers nur vom aller Feinsten waren?
Dabei kann sich das Drehbuch definitiv mit dem genialen Drehbuch von Quentin Tarantino und Robert Avary des 1994 veröffentlichten Kultfilms "Pulp Fiction", bei dem Bruce Willis, John Travolta, Samuel L. Jackson und Uma Thurman die Hauptrollen besetzten, mithalten. Zwar gewann dieses keinen Oscar, jedoch erzählt es eine genauso verzwickte und ausgeklügelte Halsabschneidergeschichte. Frei nach dem Motto „Über den Tisch ziehen oder über den Tisch gezogen werden“ wandelt sich diese Geschichte mehrmals unerwartet und im gestreckten Winkel.
Wieder mit an Bord : Samuel L. Jackson als Schmugglerboss; dazu Robert Forster als Kautionsagent und Pam Grier als „Jackie“. Und wie bei seinem berühmten Vorgänger schwimmt auch bei diesem Film die nötige Coolness im Subtext der berüchtigten Tarantinodialoge mit.

(MZ) 

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