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Das 1. Heilbronner KurzFilmFestival

Do. 17.05.

Fleischführerschein, Pornokunden, Fliegenpflicht für Quadratköpfe, Schreinachten... Liest man diese Worte, was geht einem da zuerst durch den Kopf? Neben der Antwort „Völlige Verwirrung!“ ist auch noch die Antwort „Kurzfilme“ richtig.

Genau darum dreht es sich bei dem „2. Geld spielt keine Rolle“ - No (und low) Budget VideoFilmFestival, dass in diesem Jahr zum ersten Mal in Heilbronn statt findet.

Dieses Genre in der Filmkunst hat unbestreitbar einen ganz besonderen Charme. Denn die einzige Regel lautet: Die Länge des Films darf 15 Minuten nicht überschreiten.

Die Entstehungsgeschichte der Filme ist dabei jedes Mal eine andere.
Während einige Filmemacher ein eher spontan gedrehtes Video einreichen, gibt es auch professionell geplante und durchgeführte Projekte. Hinzu kommen einige sehr sehenswerte und originelle Zufallsprodukte, die das Interesse der Zuschauer wecken.

Und ganz wichtig, die Filmemacher haben keinen finanziellen Antrieb hinter ihrer Idee und pressen sich so in kein Schema und halten sich häufig nicht an gängige Normen des Filmbusiness.

Das Festival, das neben Film auch noch Kunst (präsentiert durch den kunst cellar basementizid) und Musik (mit live Bands präsentiert von der Turbojugend Heilbronn) anbietet, findet am 8. + 9- Juni 2007 statt. Dafür wurde eine Location gewonnen, die für ein solches Projekt wohl kaum hätte besser sein können - Das Mobilat. Um aber der Angebotsvielfalt und der zu erwartenden Menge an Besuchern gerecht zu werden, wurde bzw. wird die Lagerhalle nebenan hergerichtet und mit ca. 150 Sitzplätzen bestuhlt, sowie weitere Plätze im Zelt auf dem Innenhof. Dank einiger Sponsoren wird eine professioelle Licht und Tonanlage installiert – Dem Kinogenuß steht somit nichts im Wege.

Im Vorfeld fanden im Loft16.1 bereits kostenlose Screenings statt, auf denen vom Publikum bereits einige Filme ausgewählt wurden, die dann am 8. + 9. Juni jeweils ab 20.15 Uhr im Mobilat gezeigt werden. Pro Abend wurden ca. 15 Filme unterschiedlichster Kategorien ausgestrahlt. Ob nun gesellschaftskritische, animierte oder auch trashige Streifen, es war für jeden was dabei.
Unter dem Motto „Schlechte Filme bekommen die Rote Karte“ hatte jeder Zuschauer eine Rote Karte (der Flyer) und konnte so zu jedem Film abstimmen. Für die Filme mit zu vielen roten Karten bedeutete es das Aus. Alle anderen kämpfen auf dem Festival um die Gunst der Zuschauer.
Übrigens können alle Filme die in den Screenings liefen, am Sa. den 9. Juni ab 16 Uhr nochmals in kleinen Videokabinen im Mobilat angeschaut werden.

(li: "Hello", re: "Der Fleischführerschein")

Zusätzlich gibt es am Sa. den 19. Mai von 16 -19 Uhr ein Experimental- und Videokunstfilm Srceening im kunst cellar basementizid. Hier kann das Publikum mitentscheiden welche Kurzfilme dieser Kategorie am Sa. den 9. Juni dann um 18 Uhr im Festivalprogramm laufen.

Die Screenings haben gezeigt, dass es sich auf jeden Fall lohnen wird sich den Termin frei zu halten.

Wir haben dem Initiator des Festivals, Ingo Klopfer, ein paar Fragen gestellt.


Hallo Ingo, ursprünglich kommst Du ja aus dem Kurzgeschichten-Genre, veranstaltest Lesungen und schreibst auch selbst Kurzgeschichten. Wie kommt man von den Buchstaben zum Film?

Nun Kurzgeschichten, besser short stories ( die kommen schneller auf den Punkt) und Kurzfilme haben die Idee gemeinsam, und Ziel dieser beiden Disziplinen ist es diese schnell und ohne großen Aufwand zu erzählen. Der Autor erzählt mit Worten, der Filmemacher mit Bildern.
Und kaum ein Autor schreibt heute eine Kurzgeschichte ohne Bilder davon im Kopf zu haben und Filme ohne eine gute präzise, originelle Story langweilen schnell.


Das erste „Geld spielt keine Rolle“ Festival fand 2006 in Weimar statt. Was hat dich dazu bewogen es dieses Jahr auch in Heilbronn zu starten?

Naja, eigentlich gibt es dieses No –budget festival schon seit 2004 – damals noch unter dem Titel „ Ohne Kohle“ und in Wien. Dann kam es wie so oft zu kleinen Disputen zwischen den Verantwortliche und so wanderte das Festival unter dem neuen Titel „ Geld spielt keine Rolle“ nach Weimar – wo Albert Beckmann der an der ansässigen Bauhausuniversität als Dozent ein Kurzfilmfestival Seminar gab und dies mit seinen Studenten fortsetzte. Dieses Jahr blieb das Interesse der Studierenden daran aus und so haben wir das Festival kurzerhand hier nach Heilbronn verlegt, da ich hier Unterstützung der ansässigen Kulturmacher bekam. So durch den kunst cellar basementizid, die Turbojugend Heilbronn, das LOFT 16/1 dem Mobilat-Club und dem Koki HN.
Zeit um Sponsoren zu finden blieb keine – und doch fand sich Später die Firma Media Maier aus Unterheisesheim ein – die sich bereit erklärte für das Festival erstklassiges Equipment umsonst bereitzustellen. Das alles hat uns sehr geholfen.


Wie war die Resonanz der Heilbronner auf das Festival bzw. die im Vorfeld durchgeführten Screenings?

Diese Frage schließt sich an die vorherige an. Nachdem vom ersten Open Screening an, so viele Heilbronner aus allen Bevölkerungsschichten und Generationen kamen und uns mit Zustimmung und Beifall unterstützt haben, wurde uns klar, dass wir mit der Entscheidung dieses Festival in Heilbronn zu machen, richtig lagen.
War beim ersten Open Screening erst um 20.30 Uhr das LOFT 16/1 voll, so kamen beim zweiten Screening schon um 19 Uhr die ersten Zuschauer und reservierten sich die besten Plätze, denn Raum war da für 100 Besucher und meist waren dann deutlich mehr da.


Auf den Screenings hast Du es schon angedeutet, es kamen sehr viele Filme auf dein Schreibtisch. Wie viele waren es denn insgesamt?

Inzwischen trudeln noch ein paar Nachzügler ein – viele aus dem Ausland, die bei der Deutschen Post und Zollbehörde hängen geblieben sind. Insgesamt sind es jetzt so knapp über 400 Filme aus der ganzen Welt.


Mal Hand aufs Herz, Du hast ALLE Filme angeschaut? Wie bewältigt man diese Masse?

Nun, da ich seit vier Jahren mehr oder weniger aktiv bei dem Festival dabei bin, wird man so ein wenig zum Profi und kann mehr oder weniger ziemlich schnell entscheiden, ob man sich den ganzen Film nun anschaut oder nicht. Auch durch meine langjährige Erfahrung als Lesebühnenveranstalter und Verleger, bekommt man irgendwann ein Gespür dafür, was passen könnte und was nicht. Aber natürlich sind diese Entscheidungen sehr subjektiv und sicherlich manchmal ungerecht – aber bei der Masse, lässt sich das eben kaum vermeiden.


Wie waren dann Deine Kriterien bei der Vorauswahl für die Screenings?

Es gibt hunderte von Filmfestivals in Deutschland jedes Jahr, dazu 30 Fernsehkanäle, Kinos und das Internet, also muss man bereits vorher versuchen sich ein Profil zu erstellen – das dieses Festival von anderen abhebt. So war bereits in der Ausschreibung festgelegt, das kein Film länger als 15 Minuten sein sollte und nur narrative und experimentelle Filme zugelassen sind – und keine Dokus.
Was mich an Kurzfilmen vorwiegende interessierte war die Idee und die Story, sowie die ökonomische Umsetzung von beiden Kriterien. Wurde hier mit einfachsten Mittel große Wirkung erzielt, fand ich das gut. So haben sogenannte Handmade Filme eher unsere Gunst erhalten, als teuer produzierte Filme mit echten Schauspielern, und aufwendigen Equipment. Auch die Filme, wo man miterleben konnte, dass die Macher einfach viel Spaß an ihrer Arbeit hatten, haben uns mehr überzeugt, als solche die verzweifelt versuchten, Film zu machen und vor lauter Ernsthaftigkeit und Anspruch, die Zuschauer vergaßen. Also auch eine gewissen Authenzität war uns hier wichtig uns natürlich sollte auch der Humor nicht zu kurz kommen.
Das oberste Gebot für Kurzfilme, wie für Kurzgeschichten muss lauten: „Du darfst nicht langweilen !“


Waren Filme dabei, die dich emotional berührt oder aber auf der anderen Seite verärgert/aufgeregt haben?

Natürlich gab es Filme die mich berührt haben – deswegen mache ich das ja – weil gerade die Kultur ist, die in ihrer Vielfältigkeit besonderes gut dazu geeignet ist, immer wieder neue Dinge zu entdecken oder bekannte Dinge aus einem neuen Blickwinkel zu sehen. Filme sind dazu ein prächtiges Medium, denn neben Bild, verfügen Sie auch über Sprache und Musik. Ich kann jetzt schlecht auf einzelne Filme eingehen – aber die wirklich guten, die werden im Festivalprogramm zu sehen sein – denn nicht nur ich empfand so, auch das Publikum bei den Open Screenings.

Verärgert war ich nie. Nur wenn Kurzfilme einfach oft zu lang sind und nicht auf den Punkt kommen, oder aber einfach überhaupt keine Geschichte erzählen und ich mich fragen musste, was uns dieser Filmemacher wohl damit sagen wollte.
Schade ist natürlich auch, dass man eben eine harte Auswahl treffen muss und einige Filme die eben nur beinahe funktionieren, nicht zeigen konnte.


Du wirst es wahrscheinlich sehr oft gefragt, wir reihen uns mit ein. In Zeiten von Kamerahandys und Web2.0 mit den Sprösslingen youtube.com, clipfish.de etc. ist „User generated Content“ bei den Jugendlichen mittlerweile ein sehr beliebtes Hobby. Fluch oder Segen für die klassischen Kurzfilme?

Das Internet und die Verbreitung von Kunst über das Netz ist eigentlich eine klasse Sache. So sind uns heute Informationen und Dinge, wie z.B. Filme zugänglich, die uns früher einfach nie erreicht hätten, und dass oft auf unkommerziellem Art und Weise. Nur ist das Netz langsam dermaßen überfüllt von Mist ohne jegliche Qualitätskontrolle, dass es nicht leicht ist tatsächlich das zu finden was man vielleicht sehen will.

Tja und dann ist Filme gucken im Internet doch eine sehr einsame Sache. Auch wenn man den Link weiterschicken kann an seine Freunde, bleibt man als Zuschauer allein. Ein solches KurzfilmFestival bietet da ganz andere Möglichkeiten – wie man schon bei den Open Screening gesehen hat. Man stimmt gemeinsam ab, spricht über die gesehenen Filme, und überdenkt seine Meinung zu dem Gesehenen ganz anderes, als wenn man zuhause allein vor dem Rechner sitzt. Das gemeinsame Erlebnis bei solchen Kurzfilm Events wird nie in Konkurrenz zum Internetfilmegucken, stehen. Das sind zwei völlig verschiedenen Arten des Erlebens und der Interaktivität.


Was wird uns als Zuschauer am 8.+ 9. Juni im Mobilat erwarten?

Wie gesagt viel.
Es beginnt am Freitag um 20.15 Uhr mit dem ersten narrativen (erzählenden) Kurzfilmblock. Der wird zweimal etwa 45 Minuten gehen, dazwischen ne kleine Pause. Das wird auf etwa 12 bis 15 Filme hinauslaufen. Neben den Filmen die beim Screening gewählt wurden, gibt es auch noch den einen oder anderen Überraschungsfilm.

Nach den Filmen gibt es dann ab 22.15 Uhr, zwei Festival Live Konzerte mit „Granada 74“ und „ Der Tante Renate“ organisiert von der Turbojugend Heilbronn und anschließend so ab 24 Uhr dann Party mit DJs.
Am Samstag wird das Mobilat dann bereits um 16 Uhr seine Pforten öffnen. Dann können unten im Club nochmals alle fünf Screeningblöcke in kleinen Videokabinen angeschaut werden und im Innenhof gibt es dann Rauminstallationen der Zonenkinder Collektive und mentizid artists anzuschauen.
Es wird einen Grill geben sodass für das leibliche Wohl gesorgt ist, bis dann um 18 Uhr der Experimental- und Kunstfilmblock im Kinoraum gezeigt wird. Auch dieses Programm wird etwa zweimal 45 Minuten gehen und zeigen was die internationale Kunstfilmszene so zu zeigen hat.
Um 20.15 Uhr gibt es dann den zweiten narrativen Kurzfilmblock und anschließend live Konzert mit „Kate Mosh“ und „ Sedlmeir“ mit anschließender DJ Party Musik.

Der Eintritt pro Tag oder Abend beläuft sich auf 6.- Euro. Wer allerdings an beiden Tagen da sein will, kann sich am Freitag bereits beide Karten für insgesamt 10 Euro abholen.


Ist denn auch schon etwas für das nächste Jahr geplant?

Ja, auf alle Fälle. Das Feedback bei den Open Screenings und bereits jetzt im Vorfeld für dieses Kurzfilmfestival hier in Heilbronn war und ist dermaßen gut und groß, dass es auf alle Fälle nächstes Jahr ein Fortsetzung geben wird. Heilbronn, als eigenständige Stadt, weit genug weg von den Metropolen die genug eigene Festivals haben, zeigt hier großen Nachholbedarf und bietet Platz für solche Aktionen. Und ich bin mir sicher, dass es hier noch sehr viel mehr Potenzial gibt.


Eine letzte Frage: Bei all den Einsendungen, bei all den Filmen die über deinen Bildschirm gelaufen sind, gibt es einen Favoriten?

Es gibt nicht einen Favoriten. Aber aus vielen verschiedenen Gattungen einige Filme die ich besonderes liebe. Aber das schöne an der Kunst ist, dass hier der eigene Geschmack entscheiden darf – und will da niemanden vorschreiben, was gut und was weniger gut ist. Ich habe die gute Filme mehr als einmal gesehen – und es sind doch einige darunter die auch beim X-ten Mal hinsehen mich immer wieder überraschen, zum Lachen bringen, mich neue Dinge entdecken lassen oder eben berühren. Ich bin ein kritischer Mensch was Kurzfilme angeht – aber das was im Festival laufen wird, ist wirklich gut und wird niemanden enttäuschen.

Vielen Dank, dass du uns die Fragen beantwortet hast. Wir freuen uns sehr auf das Festival!
(dh)


Weiterführende Links:

  • http://www.filmsharing.eu/
  • http://www.basementizid.com/
  • http://www.loft16-1.de/
  • Mobilat
  • Fleischführerschein, Pornokunden, Fliegenpflicht für Quadratköpfe, Schreinachten... Liest man diese Worte, was geht einem da zuerst durch den Kopf? Neben der Antwort „Völlige Verwirrung!“ ist auch noch die Antwort „Kurzfilme“ richtig.

    Genau darum dreht es sich bei dem „2. Geld spielt keine Rolle“ - No (und low) Budget VideoFilmFestival, dass in diesem Jahr zum ersten Mal in Heilbronn statt findet.

    Dieses Genre in der Filmkunst hat unbestreitbar einen ganz besonderen Charme. Denn die einzige Regel lautet: Die Länge des Films darf 15 Minuten nicht überschreiten.

    Die Entstehungsgeschichte der Filme ist dabei jedes Mal eine andere.
    Während einige Filmemacher ein eher spontan gedrehtes Video einreichen, gibt es auch professionell geplante und durchgeführte Projekte. Hinzu kommen einige sehr sehenswerte und originelle Zufallsprodukte, die das Interesse der Zuschauer wecken.

    Und ganz wichtig, die Filmemacher haben keinen finanziellen Antrieb hinter ihrer Idee und pressen sich so in kein Schema und halten sich häufig nicht an gängige Normen des Filmbusiness.

    Das Festival, das neben Film auch noch Kunst (präsentiert durch den kunst cellar basementizid) und Musik (mit live Bands präsentiert von der Turbojugend Heilbronn) anbietet, findet am 8. + 9- Juni 2007 statt. Dafür wurde eine Location gewonnen, die für ein solches Projekt wohl kaum hätte besser sein können - Das Mobilat. Um aber der Angebotsvielfalt und der zu erwartenden Menge an Besuchern gerecht zu werden, wurde bzw. wird die Lagerhalle nebenan hergerichtet und mit ca. 150 Sitzplätzen bestuhlt, sowie weitere Plätze im Zelt auf dem Innenhof. Dank einiger Sponsoren wird eine professioelle Licht und Tonanlage installiert – Dem Kinogenuß steht somit nichts im Wege.

    Im Vorfeld fanden im Loft16.1 bereits kostenlose Screenings statt, auf denen vom Publikum bereits einige Filme ausgewählt wurden, die dann am 8. + 9. Juni jeweils ab 20.15 Uhr im Mobilat gezeigt werden. Pro Abend wurden ca. 15 Filme unterschiedlichster Kategorien ausgestrahlt. Ob nun gesellschaftskritische, animierte oder auch trashige Streifen, es war für jeden was dabei.
    Unter dem Motto „Schlechte Filme bekommen die Rote Karte“ hatte jeder Zuschauer eine Rote Karte (der Flyer) und konnte so zu jedem Film abstimmen. Für die Filme mit zu vielen roten Karten bedeutete es das Aus. Alle anderen kämpfen auf dem Festival um die Gunst der Zuschauer.
    Übrigens können alle Filme die in den Screenings liefen, am Sa. den 9. Juni ab 16 Uhr nochmals in kleinen Videokabinen im Mobilat angeschaut werden.

    (li: "Hello", re: "Der Fleischführerschein")

    Zusätzlich gibt es am Sa. den 19. Mai von 16 -19 Uhr ein Experimental- und Videokunstfilm Srceening im kunst cellar basementizid. Hier kann das Publikum mitentscheiden welche Kurzfilme dieser Kategorie am Sa. den 9. Juni dann um 18 Uhr im Festivalprogramm laufen.

    Die Screenings haben gezeigt, dass es sich auf jeden Fall lohnen wird sich den Termin frei zu halten.

    Wir haben dem Initiator des Festivals, Ingo Klopfer, ein paar Fragen gestellt.


    Hallo Ingo, ursprünglich kommst Du ja aus dem Kurzgeschichten-Genre, veranstaltest Lesungen und schreibst auch selbst Kurzgeschichten. Wie kommt man von den Buchstaben zum Film?

    Nun Kurzgeschichten, besser short stories ( die kommen schneller auf den Punkt) und Kurzfilme haben die Idee gemeinsam, und Ziel dieser beiden Disziplinen ist es diese schnell und ohne großen Aufwand zu erzählen. Der Autor erzählt mit Worten, der Filmemacher mit Bildern.
    Und kaum ein Autor schreibt heute eine Kurzgeschichte ohne Bilder davon im Kopf zu haben und Filme ohne eine gute präzise, originelle Story langweilen schnell.


    Das erste „Geld spielt keine Rolle“ Festival fand 2006 in Weimar statt. Was hat dich dazu bewogen es dieses Jahr auch in Heilbronn zu starten?

    Naja, eigentlich gibt es dieses No –budget festival schon seit 2004 – damals noch unter dem Titel „ Ohne Kohle“ und in Wien. Dann kam es wie so oft zu kleinen Disputen zwischen den Verantwortliche und so wanderte das Festival unter dem neuen Titel „ Geld spielt keine Rolle“ nach Weimar – wo Albert Beckmann der an der ansässigen Bauhausuniversität als Dozent ein Kurzfilmfestival Seminar gab und dies mit seinen Studenten fortsetzte. Dieses Jahr blieb das Interesse der Studierenden daran aus und so haben wir das Festival kurzerhand hier nach Heilbronn verlegt, da ich hier Unterstützung der ansässigen Kulturmacher bekam. So durch den kunst cellar basementizid, die Turbojugend Heilbronn, das LOFT 16/1 dem Mobilat-Club und dem Koki HN.
    Zeit um Sponsoren zu finden blieb keine – und doch fand sich Später die Firma Media Maier aus Unterheisesheim ein – die sich bereit erklärte für das Festival erstklassiges Equipment umsonst bereitzustellen. Das alles hat uns sehr geholfen.


    Wie war die Resonanz der Heilbronner auf das Festival bzw. die im Vorfeld durchgeführten Screenings?

    Diese Frage schließt sich an die vorherige an. Nachdem vom ersten Open Screening an, so viele Heilbronner aus allen Bevölkerungsschichten und Generationen kamen und uns mit Zustimmung und Beifall unterstützt haben, wurde uns klar, dass wir mit der Entscheidung dieses Festival in Heilbronn zu machen, richtig lagen.
    War beim ersten Open Screening erst um 20.30 Uhr das LOFT 16/1 voll, so kamen beim zweiten Screening schon um 19 Uhr die ersten Zuschauer und reservierten sich die besten Plätze, denn Raum war da für 100 Besucher und meist waren dann deutlich mehr da.


    Auf den Screenings hast Du es schon angedeutet, es kamen sehr viele Filme auf dein Schreibtisch. Wie viele waren es denn insgesamt?

    Inzwischen trudeln noch ein paar Nachzügler ein – viele aus dem Ausland, die bei der Deutschen Post und Zollbehörde hängen geblieben sind. Insgesamt sind es jetzt so knapp über 400 Filme aus der ganzen Welt.


    Mal Hand aufs Herz, Du hast ALLE Filme angeschaut? Wie bewältigt man diese Masse?

    Nun, da ich seit vier Jahren mehr oder weniger aktiv bei dem Festival dabei bin, wird man so ein wenig zum Profi und kann mehr oder weniger ziemlich schnell entscheiden, ob man sich den ganzen Film nun anschaut oder nicht. Auch durch meine langjährige Erfahrung als Lesebühnenveranstalter und Verleger, bekommt man irgendwann ein Gespür dafür, was passen könnte und was nicht. Aber natürlich sind diese Entscheidungen sehr subjektiv und sicherlich manchmal ungerecht – aber bei der Masse, lässt sich das eben kaum vermeiden.


    Wie waren dann Deine Kriterien bei der Vorauswahl für die Screenings?

    Es gibt hunderte von Filmfestivals in Deutschland jedes Jahr, dazu 30 Fernsehkanäle, Kinos und das Internet, also muss man bereits vorher versuchen sich ein Profil zu erstellen – das dieses Festival von anderen abhebt. So war bereits in der Ausschreibung festgelegt, das kein Film länger als 15 Minuten sein sollte und nur narrative und experimentelle Filme zugelassen sind – und keine Dokus.
    Was mich an Kurzfilmen vorwiegende interessierte war die Idee und die Story, sowie die ökonomische Umsetzung von beiden Kriterien. Wurde hier mit einfachsten Mittel große Wirkung erzielt, fand ich das gut. So haben sogenannte Handmade Filme eher unsere Gunst erhalten, als teuer produzierte Filme mit echten Schauspielern, und aufwendigen Equipment. Auch die Filme, wo man miterleben konnte, dass die Macher einfach viel Spaß an ihrer Arbeit hatten, haben uns mehr überzeugt, als solche die verzweifelt versuchten, Film zu machen und vor lauter Ernsthaftigkeit und Anspruch, die Zuschauer vergaßen. Also auch eine gewissen Authenzität war uns hier wichtig uns natürlich sollte auch der Humor nicht zu kurz kommen.
    Das oberste Gebot für Kurzfilme, wie für Kurzgeschichten muss lauten: „Du darfst nicht langweilen !“


    Waren Filme dabei, die dich emotional berührt oder aber auf der anderen Seite verärgert/aufgeregt haben?

    Natürlich gab es Filme die mich berührt haben – deswegen mache ich das ja – weil gerade die Kultur ist, die in ihrer Vielfältigkeit besonderes gut dazu geeignet ist, immer wieder neue Dinge zu entdecken oder bekannte Dinge aus einem neuen Blickwinkel zu sehen. Filme sind dazu ein prächtiges Medium, denn neben Bild, verfügen Sie auch über Sprache und Musik. Ich kann jetzt schlecht auf einzelne Filme eingehen – aber die wirklich guten, die werden im Festivalprogramm zu sehen sein – denn nicht nur ich empfand so, auch das Publikum bei den Open Screenings.

    Verärgert war ich nie. Nur wenn Kurzfilme einfach oft zu lang sind und nicht auf den Punkt kommen, oder aber einfach überhaupt keine Geschichte erzählen und ich mich fragen musste, was uns dieser Filmemacher wohl damit sagen wollte.
    Schade ist natürlich auch, dass man eben eine harte Auswahl treffen muss und einige Filme die eben nur beinahe funktionieren, nicht zeigen konnte.


    Du wirst es wahrscheinlich sehr oft gefragt, wir reihen uns mit ein. In Zeiten von Kamerahandys und Web2.0 mit den Sprösslingen youtube.com, clipfish.de etc. ist „User generated Content“ bei den Jugendlichen mittlerweile ein sehr beliebtes Hobby. Fluch oder Segen für die klassischen Kurzfilme?

    Das Internet und die Verbreitung von Kunst über das Netz ist eigentlich eine klasse Sache. So sind uns heute Informationen und Dinge, wie z.B. Filme zugänglich, die uns früher einfach nie erreicht hätten, und dass oft auf unkommerziellem Art und Weise. Nur ist das Netz langsam dermaßen überfüllt von Mist ohne jegliche Qualitätskontrolle, dass es nicht leicht ist tatsächlich das zu finden was man vielleicht sehen will.

    Tja und dann ist Filme gucken im Internet doch eine sehr einsame Sache. Auch wenn man den Link weiterschicken kann an seine Freunde, bleibt man als Zuschauer allein. Ein solches KurzfilmFestival bietet da ganz andere Möglichkeiten – wie man schon bei den Open Screening gesehen hat. Man stimmt gemeinsam ab, spricht über die gesehenen Filme, und überdenkt seine Meinung zu dem Gesehenen ganz anderes, als wenn man zuhause allein vor dem Rechner sitzt. Das gemeinsame Erlebnis bei solchen Kurzfilm Events wird nie in Konkurrenz zum Internetfilmegucken, stehen. Das sind zwei völlig verschiedenen Arten des Erlebens und der Interaktivität.


    Was wird uns als Zuschauer am 8.+ 9. Juni im Mobilat erwarten?

    Wie gesagt viel.
    Es beginnt am Freitag um 20.15 Uhr mit dem ersten narrativen (erzählenden) Kurzfilmblock. Der wird zweimal etwa 45 Minuten gehen, dazwischen ne kleine Pause. Das wird auf etwa 12 bis 15 Filme hinauslaufen. Neben den Filmen die beim Screening gewählt wurden, gibt es auch noch den einen oder anderen Überraschungsfilm.

    Nach den Filmen gibt es dann ab 22.15 Uhr, zwei Festival Live Konzerte mit „Granada 74“ und „ Der Tante Renate“ organisiert von der Turbojugend Heilbronn und anschließend so ab 24 Uhr dann Party mit DJs.
    Am Samstag wird das Mobilat dann bereits um 16 Uhr seine Pforten öffnen. Dann können unten im Club nochmals alle fünf Screeningblöcke in kleinen Videokabinen angeschaut werden und im Innenhof gibt es dann Rauminstallationen der Zonenkinder Collektive und mentizid artists anzuschauen.
    Es wird einen Grill geben sodass für das leibliche Wohl gesorgt ist, bis dann um 18 Uhr der Experimental- und Kunstfilmblock im Kinoraum gezeigt wird. Auch dieses Programm wird etwa zweimal 45 Minuten gehen und zeigen was die internationale Kunstfilmszene so zu zeigen hat.
    Um 20.15 Uhr gibt es dann den zweiten narrativen Kurzfilmblock und anschließend live Konzert mit „Kate Mosh“ und „ Sedlmeir“ mit anschließender DJ Party Musik.

    Der Eintritt pro Tag oder Abend beläuft sich auf 6.- Euro. Wer allerdings an beiden Tagen da sein will, kann sich am Freitag bereits beide Karten für insgesamt 10 Euro abholen.


    Ist denn auch schon etwas für das nächste Jahr geplant?

    Ja, auf alle Fälle. Das Feedback bei den Open Screenings und bereits jetzt im Vorfeld für dieses Kurzfilmfestival hier in Heilbronn war und ist dermaßen gut und groß, dass es auf alle Fälle nächstes Jahr ein Fortsetzung geben wird. Heilbronn, als eigenständige Stadt, weit genug weg von den Metropolen die genug eigene Festivals haben, zeigt hier großen Nachholbedarf und bietet Platz für solche Aktionen. Und ich bin mir sicher, dass es hier noch sehr viel mehr Potenzial gibt.


    Eine letzte Frage: Bei all den Einsendungen, bei all den Filmen die über deinen Bildschirm gelaufen sind, gibt es einen Favoriten?

    Es gibt nicht einen Favoriten. Aber aus vielen verschiedenen Gattungen einige Filme die ich besonderes liebe. Aber das schöne an der Kunst ist, dass hier der eigene Geschmack entscheiden darf – und will da niemanden vorschreiben, was gut und was weniger gut ist. Ich habe die gute Filme mehr als einmal gesehen – und es sind doch einige darunter die auch beim X-ten Mal hinsehen mich immer wieder überraschen, zum Lachen bringen, mich neue Dinge entdecken lassen oder eben berühren. Ich bin ein kritischer Mensch was Kurzfilme angeht – aber das was im Festival laufen wird, ist wirklich gut und wird niemanden enttäuschen.

    Vielen Dank, dass du uns die Fragen beantwortet hast. Wir freuen uns sehr auf das Festival!
    (dh)


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