Celo & Abdi | Hinterhofjargon
Nach zwei Alben vom Frankfurter Rapper Haftbefehl, aka „Hafti“, schickt die Azzlackz-Army nun Celo & Abdi mit ihrem Debüt ins Rennen.
Schon mit ihrem Mixtape „Mietwagentape“, haben sie eine kleine Welle gestartet, die sich nun komplett überschlägt und neue, etwas andere eine Straßenrap-Ära einläuten könnte. „Jargon“ steht bekanntlich für „Umgangssprache“, meist in einer bestimmten sozialen Schicht in unserer Gesellschaft. Da die Sprache hinter einem Bankschalter bekanntlich anders klingt, als die in einem Frankfurter oder Offenbacher Hinterhof, nehmen die beiden auch kein Blatt vor den Mund und sorgen damit für Gesprächsstoff. Ein Navigationssystem brauchen sie in ihrem „Audi A8“ sicher nicht, denn zwischen Konstabler Wache und dem Bahnhofsviertel liegen nur wenige hundert Meter. Genau in diesem Viertel der Stadt spielt sich alles ab, und dort kennen sie sich aus, die beiden. Sie übersetzen uns gängige Wörter ihrer Sprache, so dass wir ihnen problemlos folgen können.
„Über Wasser halten“ ist fast zum Lebensmotto geworden und so pilgern wir zwischen Baustelle und Hanfplantage, während sie uns genau schildern, wie ein Tag so funktioniert im „Viertel“. Nein, sie wollen ihr Hobby nicht glorifizieren, sie sprechen hier nun mal über den täglichen „Hustle and Flow“, die Freunde und die Familie. Das der ein oder andere dabei auf der Strecke bleibt, und am „Besuchstag“ der Mutter feststellen muss, dass er das Straßenleben vor die Schule stellte, ist der Gang der Dinge. Auf „Parallelen“ wird dann auch noch ausführlich erklärt, wie es aussieht, wenn sich innerhalb unseres Landes eine zweite Gesellschaft bildet, die untereinander einfach andere Regeln aufstellt und danach lebt. Da darf dann auch „Baba Haft“ noch ein paar Weisheiten einstreuen.
Wer glaubt, er hat es hier mit zwei schlecht gebildeten Menschen zu tun, der sollte sich die Tracks wirklich mal komplett anhören, denn da stecken tatsächlich jede Menge Wahrheiten drin. Auf „Last Action Hero“ stellen sie sich mit Captain Future, Arnold Schwarzenegger und Lucky Luke in den Ring, um im Wortspiel klarzustellen, dass sie beide ebenso grandiose Fähigkeiten und übermenschlichen Kräfte besitzen. Zum Schluss gehen sie dann auch noch mal auf die Heimat ein, „In meinem Land“ fand nämlich mal ein Krieg statt, der auch verarbeitet werden musste und seine eigene, teils schlimme Geschichte erzählte.
Das Album wurde komplett vom Produzenten „M3“ gebaut, welcher ein hervorragendes Gefühl für verschiedene Stimmungen besitzt und den beiden da eine richtig gute Suppe gekocht hat. Und wer nach dem Hören immer noch meint, das ganze sei der reinste Mumpitz, der sollte ganz schnell auch seine Rick Ross, Young Jeezy und Ice Cube Alben in den Müll werfen.
Rap ist immer auch eine Art von Entertainment, und was die beiden auf ihrem Debüt da an Wortspiel, Witz und Ironie bieten ist neben offenen Worten und viel Ehrlichkeit, wirklich Unterhaltung auf höchstem Niveau.
(HW)
Style: Deutscher Rap
Label: Azzlackz
Punkte: 4,5 / 5
