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Kino Klub Erfurt - Erfurt
Am 6. Mai 1975 mit dem tschechoslowakischen Film „… und ich grüße die Schwalben“ von Jaromil Jires eröffnet, ist der Kinoklub am Hirschlachufer Erfurt seit jeher die Adresse für anspruchvolles und interessantes Kino in der Landeshauptstadt Thüringens.
Gegründet wurde das inzwischen älteste Kino der Stadt als eines der ersten Klubkinos der DDR mit der Intention, dem Publikum besonders anspruchsvolle Filme jenseits des „Mainstream“ (sofern diese Bezeichnung für die politisch kontrollierte Programmauswahl zutreffend sein kann) in einem kleineren, exklusiveren Rahmen anzubieten. Zudem etablierte sich ein Besucherbeirat, welcher das Kinoprogramm aktiv begleitete, zum Teil auch ganze Filmreihen ergänzend betreute. Im Gegensatz zu den „großen“ Kinos (deren gab es in der damals 220.000 Einwohner zählenden Bezirkshauptstadt immerhin vier) hatte der Kinoklub mehr Freiheiten bei der Programmgestaltung und auch Zugriff auf eine größere Auswahl an Filmen. Von 1975 bis 1982 führte Barbara Hejlik das Kino, seit 1982 leitet Dagmar Wagenknecht diese Einrichtung.
Im Bereich der Schulveranstaltungen etwa erwies sich das verfügbare Repertoire an Filmen in Originalsprache sowie Literaturverfilmungen als äußerst nützlich.
Im Erfurter Kinoklub wurde 1983 ein bemerkenswertes Projekt in Sachen Medienerziehung ins Leben gerufen: Die „Erfurter Filmschule“ unter der Leitung von Barbara Hejlik bot Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, sich inhaltlich und methodisch mit dem Medium Film zu beschäftigen. Die Veränderungen des Jahres 1989 brachten die Kinderfilmarbeit in dieser Form jedoch zum Erliegen.
Die schwierige Phase nach der Wende überlebte der Kinoklub durch die Gründung der „Initiative Kommunales Kino Erfurt e.V.“, welche die Spielstätte 1991 übernahm. Im Laufe der Jahre entwickelte sich der Kinoklub zu einer festen Institution in der Landeshauptstadt Thüringens. Das mehrfach ausgezeichnete Programm ist weiterhin konsequent nichtkommerziell ausgerichtet und beinhaltet zahlreiche Rubriken wie z. B. „Film mit Gespräch“, „Dokumentarfilmwoche“, „Interkulturelle Woche“, „Jüdisch-Israelische Filmtage“ aber auch landesspezifische Projekte wie das französische Filmfestival „Cinéfête“, das britische Filmfestival „BritFilms“ oder der „Blick nach Osteuropa“.
Eine bereits erfolgreiche Zusammenarbeit mit verschiedenen Seniorenvereinen mit zahlreichen Extraveranstaltungen wurde 2005 ins reguläre Programm übernommen: Der „Kinoklub für Senioren“ ist seitdem fester Bestandteil des Programms und bei unseren älteren Besuchern sehr beliebt.
Das Festival „ÜberMorgen“ von DieGesellschafter brachte zu zahlreichen interessanten Filmen auch viele Institutionen und Vereine der Stadt als Filmpartner im Kinoklub zusammen. So ergaben sich zahlreiche interessante Abende mit anregenden Diskussionen über Film und Gesellschaft. Alle Beteiligten begrüßten diese Art vereinsübergreifender Zusammenarbeit, so dass auch das folgende Festival „ÜberMacht“ im Jahr 2009 in Erfurt zu Gast war. Für 2011 ist erneut ein Festival geplant.
Ein zentraler Bestandteil der Arbeit des Kinoklubs ist der Bereich des Kinder- und Jugendfilms. In diesem Programmbereich gibt es im Jahr insgesamt etwa 300 Veranstaltungen als Ergänzung und Erweiterung zum Schulunterricht. Zu diesem Zweck unterhält der Kinoklub regelmäßige Kontakte zu Schulen und Lehrern der Stadt Erfurt und des Umlandes. Das Angebot wird gern genutzt:
So besuchten beispielsweise zum Jahresanfang 2010 mehr als 600 Schüler die Veranstaltungen im Rahmen des englischsprachigen Filmfestivals „BritFilms“ innerhalb einer Woche. Zum französischen Pendant „Cinéfête“ im März desselben Jahres kamen, ebenfalls in nur einer Woche, sogar mehr als 900Besucher. Zusammen mit dem regulären Abendprogramm sind die 35mm-Projektoren in dieser Zeit bis zu 15 Stunden in Betrieb.
Auch bieten verschiedene Projekte im Rahmen der Konkretisierung des Schlagworts „Medienkompetenz“ für Schüler Möglichkeiten der intensiveren Auseinandersetzung mit Struktur, Inhalt und Wirkung von Kinofilmen. Weiterhin gibt es regelmäßige Veranstaltungen unter dem Aspekt „Gewaltprävention“ in Kooperation mit verschiedenen Institutionen der Stadt und des Landes. In jedem Jahr sind mehr als 14.000 Schüler und Kindergartenkinder im Kinoklub Erfurt zu Gast.
Für die Jüngsten gibt es noch ein besonderes Highlight: Einmal im Monat packt ein Mitarbeiter eine alte 35mm-Projektionsanlage (Baujahr 1949!) in sein Auto und veranstaltet in verschiedenen Kindereinrichtungen der Stadt „Wanderkino“. Der „Kinomann“, wie ihn die Kleinen rufen, sorgt jedes Mal für eine begeisterte und begeisternde Stimmung.
Am 6. Mai 2010 wurde der Kinoklub am Hirschlachufer 35 Jahre alt. Auf den ersten Blick klingt diese Zahl sicher weniger spektakulär als beispielsweise 50 oder 100 Jahre, ist jedoch um einiges bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass unser kleines Filmtheater Jahr für Jahr ums finanzielle Überleben kämpft. Im Dezember 2009 war das Aus praktisch schon besiegelt, doch viele film- und kinointeressierte Bürger nötigten mit ihren individuellen Protesten der Stadt eine Fortsetzung der Finanzierung für 2010 ab.
Der Kinoklub kann auf eine erfolgreiche Zeit zurückblicken: Zahlreiche Preise für das hervorragende Filmprogramm belegen beispielsweise die auch überregionale Anerkennung der Bemühungen im Bereich der kulturell anspruchsvollen Filmarbeit. Viele Regisseure, Schauspieler und andere Filmschaffende besuchten in den vergangenen Jahren unsere kleine Filmkunstoase in der Thüringer Landeshauptstadt, viele interessante Gespräche in dem kleinen Saal oder dem angrenzenden Café hinterließen bleibende Erinnerungen. Auch die Besucherresonanz ist ermutigend, Anfang Dezember 2010 überschritt die Gesamtzahl derer, die das Kino mit seinen 52 Plätzen seit der Eröffnung besuchten, die Millionengrenze.
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