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Interview mit dem Pressesprecher der Heilbronner Polizei

 

Zahlreiche Parties, Musicparade, Großveranstaltungen - die Heilbronner können feiern, das haben sie bewiesen. Doch wie sieht es eigentlich mit den damit verbundenen Aufgaben der Polizei aus? Der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Polizei Heilbronn, Roberto Monaci, beantwortete uns im Interview einige Fragen zum Einsatz der Polizei im Heilbronner Nightlife...

 

diginights.com: Schön, dass Sie sich die Zeit nehmen unsern Usern Rede und
Antwort zu stehen. Nun ist das Heilbronner Nightlife ein wichtiger Teil
der Freizeit vieler Jugendlicher und junger Erwachsener. Wie wichtig
empfinden Sie als Polizist unser Nachtleben?


R. Monaci: Ich finde schon, dass für alle, die Abends oder am Wochenende unterwegs sein und
Leute treffen wollen ein attraktives Angebot vorhanden sein sollte. Und das ist bei
uns in der Region sicher gegeben.


diginights.com: Ist Heilbronn vergleichsweise ein "gefährliches Pflaster"?
Oder anders gefragt: Gibt es in Heilbronn auffällig mehr Einsätze bei
Nacht? Lassen sich dort Verbindungen mit Gästen der Clubs und Bars
feststellen?


r.monaciR.Monaci: Heilbronn ist sicher kein gefährliches Pflaster. Natürlich gibt es immer, wenn sich viele Menschen treffen - und da bilden Großstädte üblicherweise eine Magnetwirkung aus - einen Anstieg in einzelnen spezifischen Deliktsfeldern. Hiermit meine ich insbesondere den Bereich der Körperverletzungsdelikte.


diginights.com: Wo sehen Sie den Grund für solche Einsätze? Und lässt sich
eine bestimmte Altersgruppe beobachten?


R.Monaci: Hauptgrund ist sicher der Konsum von Alkohol, der enthemmtes Verhalten fördert und dadurch entstehen oder eskalieren eben dann Auseinandersetzungen. Auf eine bestimmte Altersgruppe möchte ich mich da nicht festlegen, auch wenn man schon feststellen kann, dass bei steigendem Alter das Aggressionspotential abnimmt.


diginights.com: In Heilbronn ist das Feiern in den Clubs größtenteils ab
18 jahren gestattet. Jugendliche zwischen 16 und 18Jahren müssen auf
andere Möglichkeiten ausweichen. Ist diese "Langeweile" nicht eher
gefährlich? Entstehen dadurch nicht mehr Delikte durch beispielsweise
unkontrolliert angetrunkene Jugendliche?

 

R.Monaci: Da das öffentliche Angebot für Jugendliche recht gering ist, hat sich das
Ausgehverhalten der unter-18-Jährigen sicher mehr auf den privaten Bereich
verlagert. Deshalb sind so die Erziehungsberechtigten stärker in der Pflicht, auf
das Konsumverhalten der jungen Partygänger zu achten. Aus polizeilicher Sicht hat
die veränderte Rechtslage aber keine negativen Auswirkungen auf jugendspezifische
Delikte.


diginights.com: Ist der Alkoholkonsum bei Heilbronner Jugendlichen
auffällig? Führt dies oft zu Problemen und Auseinandersetzungen?


R.Monaci: Heilbronner Jugendliche verhalten sich nicht anders als Jugendliche anderer Städte.
Generell ist aber schon ein stärkerer Konsum harter, also brandweinhaltiger
Alkoholika festzustellen. Die Folge sind höhere Konsummengen und eine auffällige
Häufung von Alkoholintoxikationen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Zwangsläufig ist bei höheren Konsummengen dann auch die Häufung von Gewaltdelikten
zu verzeichnen.
 

diginights.com: Mehrfach berichteten die Medien von Großrazzien in
angesagten Clubs anderer Großstädte. Dort stürmten Polizisten eine
Diskothek um der Drogenkriminalität Herr zu werden. Ist soetwas - eine
Kriminalisierung der Clubgänger - auch in Heilbronn denkbar oder sogar
nötig?


R.Monaci: Großrazzien sind kein Ausdruck einer Kriminalisierung von Clubgängern. Wenn sich in
einzelnen Clubs in anderen Städten Anhaltspunkte ergeben haben, dass dort Drogen in
nicht unerheblichen Mengen umgeschlagen werden, ist eine Razzia die logische
Konsequenz - insbesondere zum Schutz der Clubgänger. Solche Hinweise liegen im
Heilbronner Raum aber derzeit nicht vor. Anders sieht es mit Jugendschutzkontrollen
aus, die in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden, um die Einhaltung der
Rechtsforschriften zu gewährleisten. Polizei bei der Musicparade08


diginights.com: Karlsruhe schlägt einen eindeutigen Weg ein: Hier entstand im Herbst 2004 die Aktion "Sicheres Nightlife" in Zusammenarbeit des Polizeipräsidiums Karlsruhe, dem Stadtmarketing und so gut wie allen Clubs und Diskotheken im Raum Karlsruhe. Ihr Motto: "Gewalttätern die rote karte zeigen". Kernpunkt ist die überörtliche Erteilung von beispielweise Hausverbot der teilnehmenden Clubs und Diskotheken, sobald es in einem dieser Lokationen zu Problemen oder sogar Delikten kam. Ist soetwas auch in Heilbronn in naher Zukunft geplant oder gar zu verwirklichen?

R.Monaci: Solche institutionsübergreifende Aktionen sind sicher sehr sinnvoll. In Heilbronn funktionieren die Kontrollmechanismen der einzelnen Clubs und Discotheken aber recht gut. Die Betreiber greifen eigenständig ein und erteilen im eigenen Interesse konsequent Hausverbote - was zunächst die Notwendigkeit einer konzertierten Aktion
nicht ergibt.

   
diginights.com: Was erwartet die Polizei von Clubgängern?

R.Monaci: Wir erwarten nichts anderes von den Clubgängern wie jeder, der in Ruhe ausgehen
möchte und Spaß haben will. Eben keine Alkoholexzesse und Pöbeleien.


diginights.com: Sind hier effektive Änderungen im Verhalten vonnöten?

R.Monaci: Letztendlich ist es doch ein sehr kleiner Prozentsatz von Leuten, die Stress suchen
und so alle anderen in Mitleidenschaft ziehen.  


diginights.com: Abschließend noch eine Frage: Sind Sie persönlich schon einmal auf diginights.com gestoßen oder surfen Kollegen vielleicht auch mal privat bei uns?

polizei musicparade08R.Monaci: Sicher schauen auch Polizeibeamte bei Ihnen auf die Homepage, um sich zu
informieren. Auch ich habe schon bei Ihnen "vorbeigeschaut".


diginights.com: Vielen herzlichen Dank für das interessante Gespräch und
den Einblick in ihre Arbeit.


R.Monaci: Gern geschehen.

 

 

(LS)

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